Das RP-Interview

Das Interview wurde am 22.11.2003 in der Rheinischen Post veröffentlicht

Neue Kreise für Jecke

Das Museum des Düsseldorfer Karnevals an der Zollstraße neben dem Rathaus sieht von außen schon sehr schmuck aus. Und auch innen sind die Räume fast fertig. Bald sollen die Besucher dort mehr erfahren über dieses Brauchtum, das nicht nur jeck ist, sondern ernste Wurzeln hat und für Düssdeldorf so typisch ist wie Mode, Alt-Bier und Altstadt. Hille Erwin vom Förderverein und Jürgen Rieck vom CC erklären RP-Redakteur Hans Onkelbach im Interview, was und wen sie mit dem Museum erreichen wollen.





RP: Wieso eigentlich eine Karnevalsmuseum?

Jürgen Rieck: Weil der Karmeval aus dem Düsseldorfer Leben, aus der Historie der Stadt nicht wegzudenken ist.

Hille Erwin: ...und weil wir mit dieser Art der Darstellung Kreise erreichen wollen, die der Karneval bislang nicht interessiert.

Was sind das für Kreise?

Hille Erwin: Zum Beispiel viele Unternehmen. Sehen Sie doch mal das Beispiel Köln: Dort gibt es ein viel engeres Band zwischen der Wirtschaft und dem Karneval.

Also Köln als Vorbild?


Hille Erwin: In gewisser Weise schon, als Beispiel für eine generelle Vertiefung der Beziehung.

Jürgen Rieck:
Aber sonst nicht - Köln ist Köln. Da sind viele Dinge anders als bei uns, und wir wollen denen nicht so einfach nacheifern.

Gibt`s denn bei uns Vorurteile bei Wirtschaftsleuten gegen den Karneval?


Hille Erwin: Ja. Die denken zuerst an Pappnasen und finden das oft nicht sehr niveauvoll. Da müssen wir gegensteuern.

Und wie?


Hille Erwin:
Wir müssen den Leuten klarmachen, dass Karneval auch ein Wirtschaftsfaktor ist, der der Stadt und damit auch den Unternehmen nützt.

Jürgen Rieck: Außerdem müssen sich die Düsseldorfer Unternehmen mit der Geschichte auseinandersetzen. Und dazu gehört eben auch der Karneval.

Wieso?

Jürgen Rieck: Wir haben den Karneval hier nicht erfunden, aber in der Zeit der französischen Besetzung und später unter den Preußen, die die Rheinländer keineswegs gut fanden, hat sich das entwickelt als Protestform gegen die Staatsmacht. Ein Überbleibsel davon ist die heutige Hoppeditz-Rede.

Geht das nicht noch weiter zurück?


Jürgen Rieck: Stimmt. Die zweite Gattin von Jan Wellem kam aus Venedig. Sie hat damals einen Maskenball nach venezianischem Vorbild im Malkasten organisiert, dessen Erlös den Armen zukam. Dort wurde mitternachts ein Held Karneval gekürt, der ein Mädchen erwählen durfte - die Venetia. Deshalb heißen unsere Prinzessinnen noch heute so.

Zurück zum Museum - was wollen Sie zeigen?

Jürgen Rieck: Es gibt so viele Darstellungen von Umzügen oder alten Festen im Stadtarchiv, im Archiv der Uni oder im Stadtmuseum. Davon werden wir Kopien zeigen, wenn die Institute uns diese zur Verfügung stellen. Was wir hoffen.

Und sonst?

Jürgen Rieck: Viele Leute stellen uns privat gesammeltes Material. Wir haben zum Beispielalte Entwürfe von Rosenmontagszügen bekommen - die sind unglaublich schön. Dann: Bilder von Walter Ritzenhofen oder die Erklärung, wer eigentlich Leo Statz war - der war immerhin in den 20er- und 30er Jahren 16 Jahre lang das, was Günther Pagalies heute ist. Wer weiß das schon?

Aber wie bringen sie Leben ins Museum?


Hille Erwin:
Wichtige Frage - das Museum soll leben. Man soll Musik hören, Filme sehen können. Da werden wir uns von Profis beraten lassen.

Wie stehts eigentlich mit dem Geld?


Hille Erwin: Wir haben in den letzten zehn Monaten 153 000 Euro gesammelt. Der Förderverein hat jetzt 100 Mitglieder, die acht größten Vereine sind dabei, aber die Hälfte aller Mitglieder sind keine Karnevalisten.

Jürgen Rieck: Dass wir überhaupt so viel Geld gespendet bekamen, verdanken wir Hille Erwin. Sie ist das Beste, was uns passieren konnte. Durch ihre Verbindungen schafft sie eine Menge. Zum Geld: Bisher sind 800 000 Euro investiert worden, davon haben wir 400 000 Euro selbst beigesteuert, der Rest kam über die Spenden, bzw. über einen Kredit bei der Sparkasse.

Wann soll die Eröffnung sein?

Hille Erwin: Ganz sicher - 11.11.2004. Das schaffen wir.